Technologie & Business

Produktivität im technischen Kundenservice steigern: Was heute wirklich den Unterschied macht

Viele Serviceteams haben in den letzten Jahren investiert. Sie haben Ticketsysteme eingeführt, Wissensdatenbanken aufgebaut, Self-Service-Portale erweitert und erste KI-Piloten gestartet. Die Investitionen sind real, die erhoffte Entlastung bleibt es oft nicht.

Den Unterschied macht die Frage, ob die Technologien in strukturell funktionierende Prozesse eingebettet sind oder isoliert neben ihnen stehen.

Drei strukturelle Ursachen, warum Produktivität im Service ausbleibt

In den meisten Serviceorganisationen ist über Jahre eine Systemlandschaft entstanden, die viele Aufgaben abbildet, sie aber nicht verbindet. Das ERP kennt die Maschine, das CRM kennt den Kunden und das Ticketsystem kennt den Fall, aber keines davon kennt alle drei gleichzeitig.

Das Ergebnis ist vorhersehbar. Servicemitarbeitende verbringen einen erheblichen Teil ihrer Zeit damit, Informationen zu suchen, zusammenzuführen und nachzufragen, anstatt sie in die eigentliche Problemlösung zu investieren.

Ursache 1: Wissen existiert, aber ist nicht zugänglich

Im Anlagenbau liegen 60 bis 80 Prozent aller servicerelevanten Informationen in unstrukturierten Formaten, im Maschinenbau ist es rund die Hälfte. Selbst im Automotive-Bereich, der als am stärksten formalisiert gilt, entscheidet das Wissen, das nirgendwo erfasst ist, letztlich über die First-Time-Fix-Rate.

56,7 Prozent der Industrieunternehmen bestätigen, dass ein Großteil ihrer Serviceereignisse wiederkehrend ist und sich mit bekannten Lösungen beheben ließe. 45 Prozent sagen gleichzeitig, dass Entscheidungen heute unnötigerweise in Leitungsebenen eskaliert werden, weil das nötige Wissen auf der Ausführungsebene fehlt.

Fast jede zweite Eskalation wäre vermeidbar.

Ursache 2: Skalierung scheitert am Personalmodell

Wenige Expertinnen und Experten bearbeiten viele Anfragen, was bis zu einem bestimmten Volumen funktioniert. Mit wachsender Installed Base und steigenden Servicezahlen gerät diese Struktur unter Druck, den sie strukturell nicht lösen kann, denn Personal wird nicht proportional mitwachsen.

Ursache 3: Erfahrungswissen geht verloren, bevor es gesichert wird

Die Babyboomer-Generation tritt in den kommenden Jahren in Rente, und mit den langjährigen Erfahrungsträgern verlässt ein Großteil ihres tacit Knowledge die Unternehmen. Ein erfahrener Servicetechniker weiß, welcher Fehlercode in welcher Maschinenkonfiguration welches Verhalten zeigt. Er hat dieses Wissen in Jahren aufgebaut, nicht aus einem Handbuch übernommen. Wer es nicht vor dem Abgang sichert, verliert es.

Was heute wirklich den Unterschied macht

Organisationen mit messbaren Verbesserungen gehen anders vor. Sie setzen zuerst an den Grundlagen an, bevor sie die Technologie verändern.

Wissen zugänglich machen — im richtigen Moment

Der entscheidende Hebel liegt darin, vorhandenes Wissen im Moment des Bedarfs verfügbar zu machen, und weniger im Aufbau weiterer Datenbanken. Digitale Assistenten verbinden vorhandene Datenquellen und liefern relevante Inhalte direkt im Kontext des aktuellen Falls, sodass das Wissen in den Dokumenten erstmals wirklich nutzbar wird.

47 Prozent der Industrieunternehmen haben durch mobile Endgeräte den Dokumentationsaufwand deutlich reduziert, 55 Prozent berichten gleichzeitig von besserer Dokumentationsqualität. Smarte Assistenzsysteme gehen einen Schritt weiter und machen das Erfasste auch unmittelbar abrufbar.

Shift Left: Vorgänge früher lösen

Wenn Standardfälle auf Tier-0 oder Tier-1 gelöst werden, weil der Assistent die richtige Information liefert, kommen weniger Fälle beim 2nd Level an, die Reaktionszeit sinkt und die First-Time-Fix-Rate steigt. Das ist Shift Left in der Praxis, nicht als Konzept.

Im Maschinenbau liegen die branchenüblichen Benchmarks für First-Time-Fix-Raten zwischen 60 und 80 Prozent, und wer Wissen besser verfügbar macht, kommt näher an die obere Grenze.

Integration statt Isolation

Neue Systeme helfen, wenn sie in bestehende Abläufe eingebettet sind. Wer ein Ticketsystem einführt, löst damit keine Wissensfragmentierung, und wer eine Wissensdatenbank aufbaut, löst damit kein Integrationsproblem. Der Arbeitsaufwand verlagert sich, er sinkt nicht.

Was funktioniert, ist ein anderes Prinzip: Informationen stehen dort zur Verfügung, wo sie gebraucht werden, der Wechsel zwischen Systemen nimmt ab und Medienbrüche verschwinden.

Welche Rolle KI dabei realistisch spielt

KI-Systeme brauchen eine strukturierte, konsistente Datenbasis, und wo diese fehlt, bleiben die Ergebnisse allgemein. Generative KI-Systeme neigen dann zum Halluzinieren, also zu Antworten mit hoher Konfidenz, die faktisch falsch oder auf den falschen Fall bezogen sind. Im technischen Service hat das direkte Konsequenzen, denn eine falsche Ersatzteilnummer oder eine fehlerhafte Wartungsanweisung kostet mehr als die gesparte Zeit.

Den Unterschied macht die Architektur. Systeme, die vor der Antwortgenerierung gezielt auf verifizierte Unternehmensdokumente zugreifen, liefern präzisere und nachvollziehbarere Ergebnisse, weil der digitale Assistent aus dem Wissensbestand des Unternehmens antwortet und dabei Quellenangaben liefert.

59 Prozent der Service-Experten glauben nicht, dass KI den Menschen im Kundenkontakt vollständig ersetzen kann. Diese Einschätzung ist realistisch und beschreibt den richtigen Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Einführung.

Mensch und KI haben unterschiedliche Stärken. KI übernimmt Informationsbereitstellung, Routine und Skalierung, während Menschen Urteile treffen, die Erfahrung und Kontext erfordern. Jede Korrektur des Experten verbessert den Assistenten. Das ist Human in the Loop, und es ist das Modell, das in der Praxis funktioniert.

Fazit: Den richtigen Hebel finden

Produktivität im technischen Kundenservice steigern bedeutet in erster Linie, die richtigen Grundlagen zu legen: Wissen zugänglich machen, Prozesse integrieren und Erfahrungswissen sichern, bevor es verloren geht.

Wer das konsequent umsetzt, erreicht kürzere Bearbeitungszeiten, höhere First-Time-Fix-Raten und eine Skalierbarkeit, die unabhängig vom Personalwachstum funktioniert.

Drei Fragen helfen dabei, den eigenen Startpunkt zu bestimmen.

  1. Wie viel Arbeitszeit im Service fließt heute in Suche und Informationszusammenführung statt in die eigentliche Problemlösung?
  2. Welches Wissen verlässt das Unternehmen, wenn erfahrene Servicekräfte gehen, und wie viel davon ist heute gesichert?
  3. Wie viele Anfragen landen beim 2nd Level, die mit dem richtigen digitalen Assistenten früher gelöst werden könnten?

Wer ist eigentlich dein Kunde im industriellen Service?

Als Unternehmen, das sich seit Jahrzehnten mit Kundenservicesoftware befasst, haben wir täglich mit dem Begriff „Kunde“ zu tun. Wir wissen, wie wir mit unseren Kunden umgehen wollen und welche Ziele diese mit ihren Kunden verfolgen.

Aber wissen wir wirklich, wer dieser Kunde ist? Im Maschinenbau, Anlagenbau und Automotive steckt da mehr dahinter, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Wir haben uns durch verschiedene Definitionen gewühlt, mit Experten gesprochen und vor allem mit den Menschen, die täglich im industriellen Service arbeiten.

Woraus hat sich „Kunde“ entwickelt?

Laut Wikipedia kommt das Wort „Kunde“ vom althochdeutschen „kundo“, das etwa um 870 nach Christus zum ersten Mal auftaucht. Übersetzt in die heutige Sprache bedeutet das soviel wie „Einheimischer“, „Bekannter“ oder „Kundiger“. Das heißt, die Person war für den Verkäufer in gewisser Weise bekannt. Die Person war für den Verkäufer also bekannt, fast vertraut.

Im kommerziellen Sinn taucht der Begriff erstmals im 16. Jahrhundert auf. Kunde ist „wer (regelmäßig) ein Geschäftsangebot wahrnimmt, einen Laden, Dienstleistungsbetrieb (wiederholt) in Anspruch nimmt“ (Pfeifer 1997, S. 744).

Das Spannende daran ist, diese Vertrautheit ist heute relevanter denn je. Nur dass sie nicht mehr durch persönliche Bekanntschaft entsteht. Sie entsteht durch Daten, Maschinenhistorie und Serviceprotokolle.

Wie wird Kunde definiert?

Hans Heinrich Path hat den Kunden im 20. Jahrhundert so beschrieben: „Ein Kunde ist die jeweils wichtigste Person in dem Betrieb. Er ist nicht von uns abhängig, sondern wir von ihm. Er bedeutet keine Unterbrechung unserer Arbeit, sondern ist ihr Inhalt.“

Im Gespräch mit zwei unserer B2B-Kunden aus dem Maschinenbau haben wir eine andere, sehr direkte Definition gehört: „Der Kunde ist eine Person, die den eigenen Lohn zahlt.“ Punkt.

Prof. Matthias Gouthier für Marketing und digitale Services von der Uni Koblenz fasst es akademischer zusammen: „Kauf und Nutzung einer Leistung bilden die Kernelemente des Kundenverständnisses.“

Alle drei sagen im Kern dasselbe: Der Kunde ist der Grund, warum es den Service überhaupt gibt.

Was der industrielle Kunde heute wirklich will

Wer im Maschinenbau oder Anlagenbau Serviceleiter ist, kennt das Bild: Ein Techniker steht vor einer Anlage, die steht. Er braucht sofort eine Antwort. Nicht in zwei Stunden. Nicht nach drei Weiterleitungen. Jetzt.

Das ist der Kunde, über den wir reden. Und seine Erwartungen haben sich verändert.

Wir haben uns angeschaut, was Industrieunternehmen berichten, wenn sie über ihre Servicekunden sprechen. Drei Muster tauchen immer wieder auf:

Er will sich selbst helfen können. Der Wunsch nach Self-Service ist kein B2C-Phänomen mehr. Auch im industriellen Umfeld erwarten Anlagenbetreiber, Servicetechniker und Einkäufer zunehmend, dass sie ihre Anliegen eigenständig ohne den Umweg über eine Hotline lösen können. Laut einer Studie erwarten 60 % der B2B-Kunden heute ein digitales Serviceerlebnis, das dem von Amazon vergleichbar ist.

Er will nicht warten. Im Ersatzteilgeschäft beispielsweise bedeutet eine stillstehende Maschine bares Geld. Jede Stunde Wartezeit ist eine Stunde Produktionsausfall. Der Druck auf Reaktionszeiten ist enorm und wächst weiter.

Er will verstanden werden. Nicht im Sinne von Empathie-Floskeln. Er will, dass der Servicemitarbeiter — oder das System, mit dem er spricht — seine Maschine kennt, seine Historie kennt, seinen Kontext kennt und mit den Erklärungen nicht jedes Mal von vorne anfangen.

Der Kunde im eigenen Lebenszyklus

Für unsere Ansprechpartner aus dem Automotive-Ersatzteilbereich haben Kunden einen hohen Wert, weshalb sie alles daran setzen, diese nicht zu verlieren. Das Lebenszyklusmodell hilft dabei, Kunden einzuordnen und passende Maßnahmen zu ergreifen.

Nicht-Kunden haben noch keinen Kontakt zum Unternehmen. Manche haben es noch nie wahrgenommen, manche kennen es, aber haben noch nicht reagiert. Sie müssen erst auf das Unternehmen und manchmal auch auf ihr eigenes Bedürfnis aufmerksam gemacht werden.

Potenzielle Kunden haben sich bereits eingehender mit dem Unternehmen beschäftigt. Sie waren vielleicht auf der Website, haben eine Anfrage gestellt oder folgen dem Unternehmen auf LinkedIn. Hier lohnt es sich, präsent zu bleiben bis sie ein konkretes Kaufinteresse äußern.

Bestandskunden sind die wertvollste Gruppe. Je häufiger der Kunde interagiert, desto wertvoller wird er. Ihr Feedback ist Gold, wenn man es hört. Und genau da liegt die Crux im industriellen Service, denn oft bleibt das Wissen darüber der Servicemitarbeitenden im Kopf.

Verlorene Kunden haben das Interesse verloren. Meistens, weil die Kommunikation irgendwo gerissen ist. Der Rückholprozess ist teuer, oft zu teuer. Deswegen ist es besser, es gar nicht so weit kommen zu lassen.

Was das für deinen Kundenservice bedeutet

Den Kunden wirklich zu kennen, im Sinne von: seine Anliegen zu verstehen, seine Sprache zu sprechen, seinen Kontext zu kennen, ist keine Floskel. Es ist eine operative Anforderung an Unternehmen.

Und sie zu erfüllen, gelingt nicht allein durch mehr Servicemitarbeitende. Es gelingt, wenn das Wissen des Unternehmens so aufgebaut, gespeichert und zugänglich gemacht wird, dass es genau dann zur Verfügung steht, wenn der Kunde es braucht.

Digitale Assistenten, die auf Maschinendaten, Serviceprotokollen und dem Erfahrungswissen der eigenen Experten basieren, tun genau das. Sie machen aus dem impliziten Wissen einiger weniger das abrufbare Wissen aller. Und sie ermöglichen es dem Kunden, sich selbst zu helfen — ohne Wartezeit, ohne Hotline, ohne Frustration.

Wir bei targenio beschäftigen uns täglich damit, wie das in der Praxis aussieht. Wenn du verstehen willst, wie dein Serviceteam diese Erwartungen erfüllen kann, ohne proportional zu wachsen, schau dir an, wie wir das angehen.

Mehr zur targenio Assistenten-Plattform
Wissensmanagement im technischen Service: Wie Know-how Produktionsstabilität sichert
Shift-Left im industriellen Service: Wie Unternehmen Supportkosten senken

Oder melde dich direkt bei uns! Wir schauen gemeinsam, wie wir die Prozesse für dich und deine Kunden verbessern können.

Shift-Left im industriellen Service: Wie Unternehmen Supportkosten senken und Reaktionszeiten verkürzen

Technischer Service entwickelt sich dynamisch. Produkte gewinnen an Komplexität, Kundinnen und Kunden erwarten schnelle Lösungen und gleichzeitig bleibt die Verfügbarkeit erfahrener Fachkräfte begrenzt. In vielen Organisationen zeigt sich ein ähnliches Bild. Ticketvolumen steigt, Anfragen durchlaufen mehrere Stationen und Expertinnen und Experten sind stark ausgelastet.

Der entscheidende Faktor liegt in der zeitlichen Organisation der Problemlösung. Viele Anliegen erreichen ihre Lösung erst in einer späten Phase des Prozesses. Maschinenstillstände dauern länger an, Rückmeldungen verzögern sich und der Ressourceneinsatz steigt kontinuierlich.

In diesem Kontext gewinnt ein Ansatz zunehmend an Bedeutung, der die Logik im Service grundlegend weiterentwickelt. Shift-Left steht für eine frühzeitige und effiziente Form der Problemlösung.

Shift-Left im technischen Service einfach erklärt

Der Begriff Shift-Left beschreibt die Verlagerung von Problemlösungen an den Anfang des Serviceprozesses. Ziel ist eine möglichst frühe Klärung von Anliegen, idealerweise direkt im Moment ihres Auftretens.

Im industriellen Service bedeutet das eine klare Veränderung in der Arbeitsweise. Lösungen entstehen bereits im direkten Kontakt mit dem Problem. Der First-Level übernimmt mehr Verantwortung und Kundinnen und Kunden werden aktiv in die Lösung eingebunden.

Diese Entwicklung führt zu schnelleren Ergebnissen, reduziert den Koordinationsaufwand und stärkt die Servicequalität.

Klassischer Service vs. Shift-Left: Der strukturelle Unterschied

Viele Serviceprozesse folgen einem etablierten Ablauf. Ein Problem wird gemeldet, aufgenommen und an die passende Stelle weitergegeben. Die eigentliche Lösung entsteht oft in einer späteren Phase.

Shift-Left verschiebt diesen Ablauf nach vorne und verändert damit die Struktur des gesamten Prozesses:

Aspekt Klassischer Service Shift-Left-Ansatz
Zeitpunkt der Lösung spät im Prozess direkt beim Auftreten
Rolle des Kunden meldet Problem löst das Problem teilweise selbst während der Meldung
First-Level-Support nimmt Tickets auf und verteilt sie löst Probleme, die der Kunde nicht lösen konnte, direkt
Experteneinsatz häufig notwendig gezielt und reduziert, nur wenn 1st-lvl-Support nicht weiter weiß
Wissen verteilt, schwer zugänglich strukturiert und bereits für den Kunden direkt nutzbar
Durchlaufzeit hoch deutlich reduziert

Diese Veränderung zeigt sich in jeder Phase des Serviceprozesses und schafft die Grundlage für effizientere Abläufe.

Wie sich Wissen bis zum Kunden verschiebt

Wissen spielt eine zentrale Rolle im technischen Service. In vielen Unternehmen liegt es in Dokumentationen, in Systemen oder in den Erfahrungen einzelner Expertinnen und Experten vor. Der Mehrwert entsteht dann, wenn dieses Wissen im richtigen Moment verfügbar ist.

Im Shift-Left-Ansatz wird Wissen aktiv nach vorne verlagert. Es steht nicht nur internen Teams zur Verfügung, sondern erreicht auch die Kundinnen und Kunden in einer verständlichen und anwendbaren Form. Das macht Lösungen dadurch greifbar und direkt umsetzbar.

Diese Entwicklung stärkt die Eigenständigkeit auf Kundenseite und erweitert gleichzeitig die Handlungsspielräume im First-Level. Expertinnen und Experten können sich stärker auf anspruchsvolle Fragestellungen konzentrieren.

Warum Shift-Left im industriellen Service besonders wirksam ist

Der industrielle Service bietet ideale Voraussetzungen für diesen Ansatz. Stillstände wirken sich unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit aus, viele Problemstellungen wiederholen sich und qualifizierte Fachkräfte sind gezielt einzusetzen.

Typische Servicefälle weisen eine klare Struktur auf. Dazu gehören beispielsweise:

  • Fehlercodes mit definierten Ursachen
  • Bedienfehler im täglichen Betrieb
  • wiederkehrende Wartungs- und Ersatzteilthemen

Diese Situationen lassen sich systematisch bearbeiten und bieten großes Potenzial für eine frühzeitige Lösung.

So funktioniert Shift-Left in der Praxis

Die praktische Umsetzung orientiert sich konsequent am konkreten Problem. Nutzende schildern ihre Situation über ein Interface, etwa über einen Chat oder eine mobile Anwendung. Das System analysiert die Anfrage, stellt passende Rückfragen und entwickelt ein klares Verständnis für die Ausgangssituation.

Auf dieser Basis stellt der digitale Assistent relevante Inhalte bereit. Dazu zählen unter anderem Dokumente, erprobte Lösungswege und Erfahrungswerte aus vergleichbaren Fällen. Die Informationen sind so aufbereitet, dass sie unmittelbar zur Anwendung führen.

Der Prozess begleitet die Nutzenden Schritt für Schritt bis zur Lösung. Jede Interaktion trägt dazu bei, das Verständnis weiter zu schärfen und die Qualität zukünftiger Antworten zu verbessern.

Falls ein Anliegen zusätzliche Expertise erfordert, wird eine Fachperson eingebunden. Die vorhandenen Informationen bleiben erhalten und unterstützen die Bearbeitung. Gleichzeitig wird das neu gewonnene Wissen dokumentiert und steht künftig zur Verfügung. So entsteht ein kontinuierlicher Lernprozess.

Warum viele Shift-Left-Initiativen scheitern

Der Ansatz überzeugt durch seine Klarheit. Die Umsetzung verlangt eine durchdachte Struktur.

Eine Herausforderung liegt in der Nutzbarkeit von Wissen. Informationen sind häufig vorhanden, erreichen die Nutzenden jedoch nicht im passenden Kontext. Der Zugang erfordert zusätzliche Schritte, was die Effizienz mindert.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Ausrichtung von Systemen. Technologische Lösungen entfalten ihre Wirkung dann, wenn sie eng mit den Prozessen verzahnt sind. Eine ganzheitliche Betrachtung führt zu nachhaltigen Ergebnissen.

Shift-Left entfaltet sein Potenzial besonders dann, wenn Organisation, Wissen und Technologie aufeinander abgestimmt sind.

Was moderne Serviceansätze heute leisten müssen

Moderne Serviceansätze verbinden mehrere Fähigkeiten miteinander. Sie erfassen das konkrete Problem, stellen relevante Inhalte im passenden Moment bereit und entwickeln sich kontinuierlich weiter.

Der Fokus liegt auf der Lösung. Informationen dienen als Grundlage für konkrete Handlungsschritte und unterstützen Nutzende entlang des gesamten Prozesses.

Systeme, die diesen Anspruch erfüllen, integrieren vorhandenes Wissen aus Dokumenten und aus praktischen Erfahrungen. Sie stellen es in direktem Bezug zur jeweiligen Situation bereit und erweitern ihre Wissensbasis mit jeder Interaktion.

Shift-Left als strategischer Hebel im Service

Shift-Left eröffnet neue Möglichkeiten für den technischen Service. Die frühzeitige Lösung von Problemen steigert die Effizienz, verkürzt Reaktionszeiten und stärkt die Zufriedenheit auf Kundenseite.

Der Schlüssel liegt im gezielten Umgang mit Wissen. Wenn Informationen strukturiert verfügbar sind und direkt zur Anwendung führen, entsteht ein spürbarer Mehrwert.

Moderne Assistenzsysteme unterstützen diese Entwicklung. Sie verknüpfen Wissen mit realen Anwendungsfällen, begleiten Nutzende durch den Lösungsprozess und erweitern kontinuierlich ihre Fähigkeiten.

Ein Blick auf die eigenen Serviceprozesse zeigt schnell, wo Potenziale liegen. Wer den Zeitpunkt der Problemlösung nach vorne verlagert, schafft die Grundlage für einen leistungsfähigen und zukunftssicheren Service.

Wenn du dich aktuell mit steigenden Ticketzahlen, langen Reaktionszeiten oder einer hohen Belastung im Service beschäftigst, lohnt sich ein genauer Blick auf die eigenen Abläufe. Häufig zeigt sich dabei, wie viel Potenzial bereits in vorhandenem Wissen steckt und wie stark sich Prozesse durch einen früheren Lösungszeitpunkt verbessern lassen.

Wissensmanagement im technischen Service: Wie Know-how Produktionsstabilität sichert

Wenn eine Maschine steht, steht mehr als Technik

Es ist 7:12 Uhr. Die HMX-420, eine Hochleistungs-Verpackungszelle im Maschinenbau, meldet eine Achsabweichung. Die Linie stoppt zwar kontrolliert, dafür vollständig. Die Mitarbeitenden kennen das Fehlerbild, denn vor einigen Monaten wurde die Anlage nach einer ähnlichen Störung stabilisiert. Ein Servicetechniker hat unter Zeitdruck mehrere Parameter angepasst, wodurch die Produktion weiterlaufen konnte. Die Details dieser Anpassung fielen jedoch ausschließlich dem Erfahrungsschatz des Technikers zu.

Inzwischen wurde ein Antriebsmodul getauscht und ein Software-Update eingespielt. Seitdem zeigt die Anlage wieder das bekannte Verhalten. Die ursprüngliche Lösung ist nicht systematisch dokumentiert. Die Suche beginnt in E-Mails, in persönlichen Notizen, in Anleitungen und in Excel-Tabellen. Währenddessen steht die Produktion.

Solche Situationen sind im technischen Service keine Ausnahme. Sie verdeutlichen, wie eng technische Stabilität und verfügbares Wissen miteinander verbunden sind.

Der Stillstand hat eine klare wirtschaftliche Dimension

Ungeplante Produktionsunterbrechungen wirken sich unmittelbar auf Umsatz, Lieferfähigkeit und interne Abläufe aus. Eine 2023 veröffentlichte Untersuchung von ABB zur industriellen Zuverlässigkeit beziffert die durchschnittlichen Kosten ungeplanter Stillstände in Deutschland auf rund 147.000 Euro pro Stunde. Zudem berichten 67 Prozent der befragten Industriebetriebe von mindestens einer ungeplanten Unterbrechung pro Monat.

Diese Zahlen stellen Durchschnittswerte dar und variieren je nach Branche und Anlagentyp. Sie verdeutlichen jedoch eine klare Größenordnung. Jede Stunde, in der eine Linie nicht produziert, erzeugt wirtschaftlichen Druck. In hoch ausgelasteten Produktionsumgebungen verschieben sich Liefertermine, Vertragsverpflichtungen geraten unter Spannung, interne Eskalationsmechanismen greifen.

In diesem Kontext gewinnt der technische Service strategische Bedeutung. Seine Fähigkeit, Störungen schnell und fundiert zu diagnostizieren, beeinflusst direkt die wirtschaftliche Performance des Unternehmens.

Demografischer Wandel verstärkt das Risiko

Parallel zur wirtschaftlichen Dimension verändert sich die personelle Struktur vieler Unternehmen. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Impuls-Stiftung werden dem Maschinenbau bis 2034 rund 178.000 Arbeitskräfte fehlen. Mit jedem altersbedingten Ausscheiden erfahrener Fachkräfte reduziert sich der Bestand an implizitem Erfahrungswissen.

Gerade im technischen Service entsteht ein erheblicher Teil des Know-hows im praktischen Umgang mit Störungen: Welche Parameter wurden bei ähnlichen Symptomen angepasst? Welche Kombination aus Bauteiltausch und Softwarestand führte in der Vergangenheit zu Nebenwirkungen? Welche Diagnosemuster haben sich bewährt?

Wissenschaftliche Untersuchungen zum Wissensverlust durch Fluktuation zeigen, dass der Abgang von Fachkräften messbare Auswirkungen auf Produktivität und Leistungsfähigkeit von Organisationen haben kann (vgl. Journal of Knowledge Management, 2023, DOI: 10.1108/JKM-06-2022-0469). Erfahrungswissen besitzt damit eine klare betriebswirtschaftliche Relevanz.

Wissensmanagement als Bestandteil der Service-Architektur

Im technischen Service entfaltet Wissensmanagement seine Wirkung dort, wo Störungen auftreten. Jede Diagnoseentscheidung, jede Parameteranpassung, jede Analyse eines Fehlermusters erweitert den kollektiven Erfahrungsschatz der Organisation. Wenn diese Erkenntnisse strukturiert erfasst und kontextbezogen verfügbar gemacht werden, entsteht ein kontinuierlicher Lernkreislauf.

Eine moderne Service-Architektur integriert daher Prozesse, die Wissen ganz nebenbei und ohne Aufwand aus realen Vorfällen aufnehmen, qualifizieren und für zukünftige Fälle nutzbar machen. Parameteränderungen werden nachvollziehbar dokumentiert, Entscheidungswege transparent beschrieben und mit konkreten Symptomen verknüpft. So entsteht ein Wissensbestand, der sich aus dem operativen Geschehen speist und im nächsten Incident unmittelbar handlungsrelevant ist.

Diese Form des Wissensmanagements verbindet technische Dokumentation mit organisatorischer Verantwortung. Sie schafft Klarheit darüber, wer Erkenntnisse erfasst, wie Qualität gesichert wird und auf welche Weise Rückmeldungen aus dem Serviceprozess in die Wissensbasis zurückfließen. Das Ergebnis ist ein strukturiertes Erfahrungsarchiv, das im Störfall Orientierung bietet und Diagnosezeiten verkürzt.

Wiederholfehler als Indikator für ungenutztes Wissen

Wiederkehrende Störungen zeigen häufig weniger ein technisches Defizit als eine Lücke im Wissensfluss. Wenn eine Anlage nach einem Update erneut ein bekanntes Fehlerbild zeigt und die ursprüngliche Lösung nicht verfügbar ist, entsteht zusätzlicher Analyseaufwand. Mit jeder Wiederholung wächst der Zeitverlust.

Ein systematisch aufgebautes Wissensmanagement im technischen Service reduziert diese Wiederholschleifen. Es verknüpft Symptome, Ursachen und getroffene Maßnahmen in einer Form, die für Serviceteams unmittelbar nutzbar ist. Vor allem kann das System durch die hervorragende Datenlage die Probleme bestenfalls selbständig lösen, ohne, dass sich ein Servicemitarbeitender überhaupt noch einschalten muss. So entwickelt sich aus einzelnen Einsätzen eine belastbare Wissensbasis, die Diagnoseprozesse beschleunigt und die Produktionsstabilität stärkt.

Know-how sichern heißt Resilienz stärken

Wissensmanagement im technischen Service trägt zur Resilienz von Produktionssystemen bei. Es stabilisiert Abläufe, indem es Erfahrungswissen zugänglich macht, unabhängig von einzelnen Personen, und das Wissen für KI so aufbereitet, dass Fehler sofort gelöst werden können. In Zeiten demografischer Veränderungen und zunehmender technischer Komplexität wird diese Fähigkeit zu einem strategischen Faktor.

Serviceleitungen, die Wissen als integralen Bestandteil ihrer Architektur begreifen, schaffen Transparenz über getroffene Entscheidungen und sichern deren Wiederverwendbarkeit. Sie etablieren Prozesse, in denen Erkenntnisse aus dem Tagesgeschäft strukturiert in die Organisation zurückfließen. Auf diese Weise wächst mit jedem gelösten Incident die kollektive Kompetenz.

Produktionsstabilität entsteht dort, wo technischer Service Wissen systematisch nutzbar macht. Wer heute beginnt, Erfahrungswissen strukturiert in die eigene Service-Architektur zu integrieren, reduziert Wiederholfehler, verkürzt Diagnosezeiten und stärkt die Resilienz der gesamten Organisation. Wenn du das Thema strategisch angehen und prüfen möchtest, wie sich dein Wissensmanagement im technischen Service konkret und praxisnah auf einem modernen Niveau umsetzen lässt, komm gerne auf uns zu. Gemeinsam bringen wir Struktur in gewachsenes Servicewissen und entwickeln einen tragfähigen Ansatz für dein Unternehmen

AI Trends 2026: Warum Agenten erst jetzt produktionsreif werden und welche Voraussetzungen für den technischen Service gelten

Wenn eine Anlage steht, wird „Digitalisierung“ sehr schnell konkret. Ersatzteile müssen identifiziert, Fehlersymptome eingeordnet, Serviceeinsätze geplant, Sicherheitsfreigaben geklärt, und Wissen aus Handbüchern, Schaltplänen und vergangenen Serviceberichten muss in Minuten verfügbar sein. Genau hier liegt die Chance von KI-Agenten, indem sie als aktive Unterstützung entlang des gesamten Serviceprozesses im Maschinen- und Anlagenbau mitarbeiten.

Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass viele Agenten-Pilotierungen in der Demo-Phase hängen bleiben. Der Grund ist selten „das Modell“, sondern die Umgebung. Sie besteht aus heterogenen Systemlandschaften (ERP, PLM, CMMS/FSM, DMS), lückenhafter Dokumentation, wechselnder Konnektivität beim Kunden sowie strenger Sicherheitsanforderungen. Und letztlich der Frage, welche Bedingungen Mitarbeitende im technischen Service brauchen, damit KI wirklich entlastet, statt zusätzliche Arbeit zu erzeugen.

Mit diesem Beitrag übersetzen wir zehn zentrale AI-Trends für 2026 in die Realität des technischen Service mit Fokus auf Voraussetzungen, Betrieb und konkrete Arbeitsbedingungen.

Warum Agenten gerade jetzt produktionsreif werden (und warum das für den Service relevant ist)

Vier Entwicklungen schieben das Thema 2026 aus dem „Experiment“-Modus in die Umsetzung:

  1. Smarter statt bigger: Effiziente, kleinere Modelle werden stark genug, um konkrete Aufgaben zu erledigen. Und sie lassen sich wirtschaftlicher betreiben.
  2. Edge-/On-Prem-Fähigkeit: Agenten können näher am Einsatzort laufen. Nämlich dort, wo Daten entstehen und wo Konnektivität nicht garantiert ist oder digitale Souveränität vorausgesetzt wird.
  3. Interoperabilität durch Standards: Mit MCP/A2A und Skills-Ansätzen entstehen wiederverwendbare Muster für Kontextzugriff, Tool-Anbindung und Agenten-Zusammenspiel.
  4. AgentOps: Der Betrieb der Agenten (Monitoring, Evaluation, Verbesserung) wird zur eigenen Disziplin und damit planbar.

Die 10 AI Trends 2026  übersetzt für den technischen Service im Maschinen- und Anlagenbau

Trend 1: Smarter statt bigger Modelle (SLMs werden erwachsen)

Statt immer nur größer zu werden, verschiebt sich der Fortschritt hin zu „besser gebaut“. Das sieht man an neuen Modellideen von Universal Transformers, den Ansätzen für strukturierteres Denken wie dem Hierarchical Reasoning Model oder „klein, aber schlau“-Konzepten wie Less is More und dem Universal Reasoning Model. Dazu kommen Zusätze für stabilere Trainingsmethoden wie mHC und bessere Repräsentationslernverfahren wie LeJEPA.

Im technischen Service ist dadurch digitale Souveränität der Unternehmen realistisch. Technikerinnen und Techniker können am Einsatzort Fehlercodes über eine sichere Cloud  aus Deutschland interpretieren, relevante Dokumentpassagen zusammenfassen oder Schrittfolgen prüfen.

Trend 2: Agentic AI am Edge (on-premise wird wieder wichtig)

Ein zweiter Schub kommt aus der Fähigkeit, solche Systeme effizient „vor Ort“ laufen zu lassen. Modelle wie Mistral 7B oder Gemma 3 machen agentische Workflows auf Edge-Geräten, wie On-Prem-Server oder Service-Laptops,  und in geschützten Umgebungen deutlich praktikabler.

Für den Service ist das kein Nice-to-have, sondern Alltagsrealität. Unterstützung muss auch in Werken, bei Kunden mit restriktiven Netzen oder in Regionen mit schwacher Abdeckung funktionieren, gerade bei Inbetriebnahme, Wartung und Störungsbehebung.

Trend 3: Standards für das Agentic Web (MCP, A2A, Skills)

Parallel reift die Standardisierung. Standards definieren, wie Assistenzsysteme Kontext beziehen, Tools nutzen und miteinander kooperieren, zum Beispiel über MCP und Agent-to-Agent-Protokoll (A2A). Ergänzend kommen spezialisierende Konzepte wie Agent Skills ins Spiel.

Im Service entsteht dadurch ein wiederverwendbarer Integrationsbaukasten. Ein Assistent liest die Anlagenhistorie, ein anderer prüft die Ersatzteilverfügbarkeit, ein dritter erstellt den Einsatzbericht, und alle spielen über definierte Schnittstellen zusammen.

Trend 4: Agentic UI (Formulare werden adaptiv)

Die Bedienung verändert sich ebenfalls. Statt starrer Masken rücken zielorientierte, dynamische Oberflächen in den Vordergrund, bei denen Menschen Ziele, Rahmenbedingungen und Kontrolle definieren, während das System die passende Interaktion erzeugt. Ein anschauliches Beispiel für diesen Denkwechsel ist Agentic UI im Kundenservice.

Für Serviceprozesse heißt das, dass Checklisten, Work Orders und Workflows sich stärker am Kontext ausrichten. Die Formulare erstellen sich datengetrieben und reduzieren den Erstellungs- und Programmierungsaufwand.
Der Output reduziert gleichzeitig die Suchzeit in Systemen und senkt Fehlerrisiken, weil Mitarbeitende weniger „klicken müssen, um den Prozess zu finden“, sondern den Prozess direkt geführt bekommen.

Damit das am Shopfloor wirklich trägt, braucht es klare Leitplanken in der Prozesslogik, also eindeutige Pflichtschritte und definierte Ausnahmen. Zusätzlich muss nachvollziehbar sein, warum ein Vorschlag kommt, und die Oberfläche muss unter realen Bedingungen funktionieren.

Trend 5: Operating AI Agents (AgentOps wird Pflicht)

Sobald Agenten real in Abläufe eingreifen, verschiebt sich der Fokus von „deployen“ zu „betreiben“. Observability, Evaluation, Fehleranalyse und kontrollierte Verbesserungszyklen werden zur Grundlage, um Verhalten messbar zu machen und über die Zeit stabil zu halten.

Im technischen Service ist das besonders relevant, weil Prozesse sicherheitskritisch und reputationskritisch sind. Ein „halluzinierter“ Arbeitsschritt kann reale Schäden verursachen. AgentOps, bei der targenio Assistenten-Plattform als Trainer gedacht, sind deshalb weniger ein Extra als das Betriebssystem für verlässliche Assistenz im Feld.

Konkret brauchen Mitarbeitende Transparenz über Logs und Traces, Qualitätsmetriken und realistische Testszenarien. Zusätzlich müssen Eskalationspfade stehen, nach dem Prinzip „wenn unsicher, dann Stopp und Übergabe an Menschen“.

Trend 6: Robotic Intelligence (Agenten treffen physische Welt)

In der Diskussion um Robotik ist der Sprung zur „Roboter-KI“ schnell gemacht, im Service-Alltag ist der Hebel aber oft bodenständiger. Bevor autonome Systeme flächig im Feld handeln, gewinnen Formen von Remote-Service und Telepresence an Gewicht, also Unterstützung, bei der Menschen aus der Ferne sicher auf Maschinen zugreifen und Diagnosen sowie Maßnahmen anstoßen können, zum Beispiel über Remote Support und verwandte Telepresence-Ansätze.

Gerade im Maschinen- und Anlagenbau ist das eine realistische Brücke zwischen „alles vor Ort“ und „voll autonom“. Es erlaubt schnellere Reaktion, kürzere Stillstandzeiten und eine bessere Erstlösung, ohne dass der Serviceprozess die Kontrolle aus der Hand gibt. Gleichzeitig bleibt klar, wo die Verantwortung liegt, weil Entscheidungen weiterhin bei Menschen liegen und Systeme vor allem vorbereiten, strukturieren und absichern.

Damit das keine Grauzone wird, braucht es Sicherheitskonzepte, klare Verantwortlichkeiten und eine Integration in bestehende Wartungs- und Freigabeprozesse. Gerade dort, wo Systeme physisch handeln oder Remote-Zugriffe möglich sind, entscheidet Governance über Sicherheit und Effizienz.

Trend 7: Agentic AI goes mainstream (Kunden erwarten neue Servicequalität)

Ein weiterer Trend ist weniger technisch, sondern marktgetrieben. Agenten werden Bestandteil vieler digitaler Services, und damit verschiebt sich das Erwartungsniveau bei Kundinnen und Kunden.

Im technischen Service zeigt sich das vor allem im Self-Service. Portale entwickeln sich vom Ticket-Formular zu handlungsorientierten Serviceassistenten, die Vorqualifizierung, Datenabfrage, Vorbereitung der Einsatzplanung und Ersatzteilvorschläge unterstützen.

Damit Service-Teams davon profitieren, müssen Übergaben ohne Informationsverlust funktionieren. Der Assistent muss Gespräche sauber dokumentieren, Kontext an Technikerinnen und Techniker übergeben und Vorschläge liefern, ohne dabei Entscheidungen unkontrolliert vorwegzunehmen.

Trend 8: Enormes Potenzial, aber Kontextintegration bleibt der Engpass

Nach wie vor ist der Engpass erstaunlich bodenständig und gleichzeitig der wichtigste Punkt für echte Wirkung. Die größte Hürde ist die verlässliche Integration von Kontext, insbesondere Zugriffe auf Enterprise-Daten und -Systeme. Und hier spielt Unsicherheit immer mit, weil fehlende oder widersprüchliche Informationen im Service nicht nur „schlechte Antworten“, sondern im Zweifel falsche Entscheidungen bedeuten.

Im Service gilt deshalb sehr klar, dass jeder Agent nur so gut wie sein Kontext ist. Ohne Zugriff auf Stücklisten, Wartungshistorie, Parameterstände, Vertragsdaten, Ersatzteillager und Einsatzplanung bleibt Unterstützung meist oberflächlich und in vielen Fällen nicht einmal hilfreich. Und auch wenn ein Agent Prozesse automatisiert, tut er das am Ende dadurch, dass er Informationen und nächste Schritte als Text strukturiert und damit Handlungen in Systemen vorbereitet oder auslöst. Je mehr belastbarer Kontext verfügbar ist, desto mehr Use Cases lassen sich potenziell umsetzen.

Genau darin liegt auch die Chance für Projekte. Wer Kontextintegration sauber aufsetzt, schafft die Grundlage, auf der sich Assistenz und Automationen skalieren lassen. Für Mitarbeitende bedeutet das: Datenqualität, eindeutige Asset-Identitäten und saubere Stammdaten sind kein Nebenprojekt, sondern die Grundlage. Zusätzlich braucht es eine pragmatische Integrationsroadmap, die erste Erfolge liefert, statt alles auf einmal lösen zu wollen.

Trend 9: Changing developer role (Service-IT wird Orchestrator)

KI kann beim Schreiben von Code unterstützen, trotzdem bleiben Architektur, Qualität, Nachvollziehbarkeit und Freigaben die Faktoren, die über Betriebsstabilität entscheiden.

Für Service-Organisationen wird es dann relevant, wenn daraus eine neue Arbeitsweise entsteht, bei der Änderungen schneller möglich sind, aber kontrolliert bleiben. Das gilt besonders dort, wo Serviceprozesse, Integrationen und Workflows häufiger angepasst werden, weil Produkte, Kundenanforderungen oder interne Abläufe sich ändern. Agenten-Workflows werden dann wie Produkte gepflegt, mit Versionierung, Freigaben und nachvollziehbaren Änderungen.

Damit diese Geschwindigkeit nicht zu Instabilität führt, braucht es Rollenklärung, etwa Product Owner Service Automation, bei uns der Ingenieur, und AgentOps Owner, beim targenio-Ansatz der Trainer, plus Schulungen sowie Standards für Tests, Freigaben und Dokumentation.

Trend 10: Kürzere Software-Lebenszyklen (Regeneration statt Refactoring)

Der zehnte Trend folgt logisch aus dem Tempo. Wenn Software schneller erstellt und angepasst werden kann, wird mehr Software geschrieben, manches aber auch mit kürzerer Lebensdauer. Bei häufig wechselnden Anforderungen werden Systeme eher regeneriert oder ersetzt als über Jahre immer wieder angepasst.

Im technischen Service liegt der Vorteil vor allem darin, neue Ideen für Services, Prozesse und Abläufe schneller auszuprobieren und früh zu sehen, wie Kundinnen und Kunden darauf reagieren. Anpassungen an neue Maschinengenerationen oder Sicherheitsvorschriften gehören ebenfalls dazu, wobei ältere Maschinen und bestehende Installationen natürlich weiterhin relevant bleiben und stabil mitlaufen müssen.

Entscheidend sind stabile Schnittstellen, ein modularer Skill- und Connector-Baukasten sowie konsequentes Regression-Testing. So rutschen Änderungen nicht unbemerkt in den Betrieb durch.

Wie wir bei targenio den „Service-tauglichen Assistenten“ denken

Unsere Erfahrung aus AI-/Service-nahen Projekten zeigt, dass der Hebel in einem wiederholbaren technischen Betriebskonzept liegt. Entsprechend fokussiert sich targenio unter anderem auf diese Bausteine:

  • Flexible Deployment-Optionen (Edge/On-Prem/Cloud nach Bedarf), damit Agenten dort laufen, wo der Service stattfindet.
  • Kontext- und Systemintegration als „First-Class“-Thema, heißt zuverlässiges Lesen und Schreiben der Assistenten in Unternehmenssystemen.
  • Betrieb & kontinuierliche Verbesserung: Observability, Evaluation und trainerähnliche Mechanismen, um Agenten in der Praxis sicher zu steuern und schrittweise zu optimieren.

2026 ist das Jahr der „Service-tauglichen“ Agenten

Agenten werden produktionsreif, weil Technologie, Standards und Betriebsmodelle zusammenkommen. Für den Maschinen- und Anlagenbau entscheidet sich der Nutzen jedoch dort, wo Wert entsteht. Nämlich im technischen Service, unter echten Bedingungen, mit echten Risiken und echtem Zeitdruck.

Wer jetzt investiert, sollte weniger über „den einen großen Agenten“ nachdenken, sondern über eine Service-taugliche Architektur: Edge-fähig, standardisiert integrierbar, agentisch bedienbar und betrieblich kontrollierbar. Damit Mitarbeitende im Service spürbar entlastet werden und die Servicequalität steigt.

AI-Agenten und Agentic AI im Kundenservice verstehen und nutzen

Stell dir vor, 80 Prozent aller Kundenanfragen in deinem Service-Center werden bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig autonom gelöst. Und das bei bis zu 30 Prozent geringeren Betriebskosten. Diese Prognose stammt von Gartner und beschreibt die Entwicklung, die durch Agentic AI möglich wird. Erste Marktbeispiele belegen diese Richtung, doch der eigentliche Vorsprung entsteht nicht bei den großen Plattformanbietern, sondern bei Lösungen, die flexibel genug sind, sich nahtlos an deine Prozesse anzupassen.

Einordnung von AI-Agenten und Agentic AI

AI-Agenten sind autonome Software-Systeme, die ihre Umwelt wahrnehmen, Entscheidungen treffen und durch maschinelles Lernen ihre Leistung kontinuierlich verbessern. Damit unterscheiden sie sich klar von klassischen Chatbots, die nur vordefinierte Antworten liefern.

Agentic AI geht einen Schritt weiter. Diese Systeme handeln proaktiv, verfolgen eigenständig Ziele, planen mehrstufige Prozesse und passen ihr Verhalten flexibel an neue Kontexte an. Damit entwickelt sich Agentic AI zu einem intelligenten Kollegen, der nicht nur unterstützt, sondern Entscheidungen vorbereitet und teilweise ersetzt.

Welchen Nutzen AI-Agenten und Agentic AI deinem Service bringen

Der Einsatz von Agentic AI im Kundenservice eröffnet enorme Potenziale. Contact Center können ihre Betriebskosten deutlich senken und gleichzeitig die Abschlussrate steigern, ohne dafür nach dringend benötigten Fachkräften zu suchen.  Routineaufgaben wie Dokumentation, Ersatzteilmanagement oder Standardanfragen übernimmt die KI, während dein Team sich stärker auf komplexe Fälle konzentriert.

Für deine Kunden bedeutet das ein völlig neues Erlebnis: Sie erhalten proaktive, kontextbewusste Antworten, die Bedürfnisse oft schon im Vorfeld erkennen und bedienen.  Außerdem ist es längst Realität, dass bereits heute Agentic-Systeme bis zu 15 Prozent alltäglicher Entscheidungen zuverlässig übernehmen.

Wohin sich AI-Agenten und Agentic AI bis 2030 entwickeln werden

Die Entwicklung zeigt klar in die Richtung einer Agent-Economy. Intelligente Agenten werden zu festen Bestandteilen von Wertschöpfungsketten, arbeiten zusammen und optimieren Prozesse in Echtzeit. Marktbeispiele wie Salesforce unterstreichen zwar, dass hohe Automatisierungsquoten erreichbar sind. Doch sie belegen vor allem, dass Agentic AI keine Zukunftsvision, sondern bereits Realität ist.

Der Unterschied liegt darin, wie du diese Realität gestaltest. Während große Anbieter oft Standardwege vorgeben, wird sich bis 2030 ein hybrides Modell durchsetzen, in dem Agentic AI Routinefälle souverän bearbeitet und dein Team als empathischer Partner Nähe und Vertrauen schafft. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Governance und Transparenz. Da nur wenige Führungskräfte Agentic AI wirklich verstehen, werden klare Audit-Prozesse und Ethik-Leitlinien unverzichtbar.

Warum targenio dir schon heute mehr Möglichkeiten bietet

Viele glauben, dass Agentic AI noch Zukunftsmusik ist. Mit den richtigen Werkzeugen kannst du jedoch sofort starten. Genau hier liegt der Vorteil der targenio Assistenten-Plattform. Sie erlaubt es dir, AI-Agenten direkt in deine Serviceprozesse zu integrieren. Flexibel, transparent und so individuell, wie dein Unternehmen es braucht. Standardanfragen werden automatisiert bearbeitet, Prozesse durchgängig dokumentiert und komplexere Fälle intelligent an dein Team eskaliert. Dabei übernehmen die Assistenten auch in diesen Fällen Routineaufgaben – wie Recherche, Vorbefüllung oder Dokumentation – und entlasten so deine Experten, die sich auf die wirklich entscheidenden Schritte konzentrieren können.

Darüber hinaus lässt sich die targenio Assistenten-Plattform problemlos an Salesforce und andere Systeme anbinden. Das bedeutet, du musst nicht zwischen Plattformen wählen, sondern kannst bestehende Infrastrukturen nutzen und gleichzeitig den Schritt in die Agentic-AI-Welt gehen.
Damit bist du nicht auf die starren Vorgaben großer Anbieter angewiesen, sondern kombinierst deren Reichweite mit der Flexibilität und Innovationskraft von targenio. So entsteht ein hybrides Service-Ökosystem, das Effizienz, Transparenz und Menschlichkeit vereint.

Und zwar nicht erst 2030, sondern schon heute.

Was hat die Turing-Maschine mit KI-Modellen zu tun?

Die Geschichte der modernen Computertechnologie ist eine Blaupause für die Entwicklung von KI-Modellen hin zu kleineren, effizienteren und besser zugänglichen Systemen. Dort zeigt sich eine bemerkenswerte Parallele:
Alan Turing legte 1936 mit seiner universellen Rechenmaschine, der Turing-Maschine, den Grundstein für alle späteren Entwicklungen im Bereich der Computertheorie. Diese abstrakte Maschine definierte erstmals klar, was berechenbar ist und schuf damit eine theoretische Grundlage für sämtliche nachfolgenden Computerentwicklungen.

Von raumfüllender Rechenmaschine zur Hosentaschentechnologie

Ausgehend von Turings Konzept entstanden in den 1940er- bis 1960er-Jahren gewaltige Mainframe-Rechner wie der ENIAC oder IBM-Großrechner, die ganze Räume füllten und enorm viel Energie verbrauchten.
Durch Innovationen wie integrierte Schaltkreise und Mikroprozessoren schrumpften Computer jedoch kontinuierlich und wurden zunehmend zugänglicher. In den 1970er- und 1980er-Jahren erschienen erste Personal Computer wie der Apple II, die Rechenleistung und Funktionalität zu den Menschen nach Hause brachten.
Mit der Einführung der Smartphones, etwa des iPhones von Apple oder Android-Geräten wurde diese Technologie schließlich vollkommen mobil und für alle nutzbar.

Genau diese Entwicklung wiederholt sich nun in der Welt der KI-Modelle. Ursprünglich waren KI-Systeme wie GPT-Modelle oder Googles BERT extrem komplex und liefen ausschließlich in großen Rechenzentren. Heute werden KI-Modelle zunehmend kleiner, effizienter und damit alltagstauglicher.

Hardware als Vorbild für zukünftige KI-Modelle

Frühe KI-Modelle benötigten enorme Datenmengen, Milliarden von Parametern und teure Infrastruktur. Durch technologische Fortschritte wie Knowledge Distillation, Quantisierung, Pruning und der innovativen Mixture-of-Experts-Architektur (MoE) werden Modelle heute jedoch kompakter und effizienter. Modelle wie DeepSeek oder Mistral liefern hervorragende Ergebnisse mit deutlich weniger Parametern und funktionieren sogar auf mobilen Endgeräten. Die Miniaturisierung der KI-Technologie macht sie damit nicht mehr nur großen Unternehmen zugänglich, sondern einem viel breiteren Publikum.

Kleine KI-Modelle auf dem Vormarsch

Aktuell gibt es mehrere technologische Ansätze, die KI-Modelle kompakter, effizienter und gleichzeitig leistungsfähig gestalten.

Ein besonders erfolgreicher Ansatz ist die sogenannte Knowledge Distillation (Wissensdestillation). Dabei wird das Wissen großer KI-Modelle, die über Milliarden Parameter verfügen, auf kleinere, kompaktere „Schüler-Modelle“ übertragen.
Das Prinzip funktioniert ähnlich wie das Verhältnis eines Lehrers zu einem Schüler: Das große Modell trainiert ein kleineres Modell, sodass dieses mit weit weniger Ressourcen und Parametern ähnliche Ergebnisse liefert. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass kleinere Modelle deutlich weniger Rechenleistung und Energie verbrauchen, und dabei nahezu die gleiche Qualität aufweisen.

Die Techniken des Prunings und der Quantisierung setzen hingegen direkt an der Optimierung der bestehenden Modelle an. Beim Pruning werden überflüssige oder unwichtige Parameter aus dem Modell entfernt, was die Komplexität reduziert. In Kombination mit Quantisierung, der Reduzierung der Genauigkeit von numerischen Berechnungen, verringert sich der Speicherbedarf massiv.
Modelle, die diese Techniken nutzen, laufen so deutlich schneller, verbrauchen weniger Strom und können auch lokal auf Smartphones oder IoT-Geräten eingesetzt werden.

Ein weiterer bahnbrechender Ansatz ist die MoE-Architektur, bei der Modelle in mehrere spezialisierte Teilnetzwerke (sogenannte „Experten“) aufgeteilt sind. Das Besondere: Je nach Eingabe werden zur Laufzeit nur diejenigen Experten aktiviert, die wirklich relevant sind. Dadurch sinkt der Aufwand pro Anfrage deutlich, da nicht sämtliche Parameter des Modells genutzt werden müssen. Diese Architektur erlaubt es großen Modellen, gleichzeitig kompakt und effizient zu sein, ohne Abstriche bei der Genauigkeit zu machen.

Schließlich gewinnt die Entwicklung sogenannter TinyML-Modelle stark an Bedeutung. TinyML steht für ultrakleine, hochspezialisierte KI-Modelle, meist mit weniger als einer Million Parametern, die direkt auf Mikrocontrollern, kleinen Geräten und Sensoren laufen können.
Ein populäres Beispiel ist der TinyTimeMixer von IBM, der extrem ressourceneffizient ist und somit KI-Technologie selbst in Umgebungen verfügbar macht, in denen traditionelle KI-Systeme aufgrund ihrer Größe und ihres Stromverbrauchs bisher nicht einsetzbar waren.

Die Demokratisierung der KI beginnt jetzt

Die zunehmende Verkleinerung von KI-Modellen hat weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen und führt zu einer Demokratisierung der Künstlichen Intelligenz.
Technologie, die zuvor großen Unternehmen vorbehalten war, wird nun kleinen Unternehmen, Start-ups und Privatpersonen zugänglich gemacht. Lokale KI-Modelle verringern Abhängigkeiten von großen Cloud-Anbietern, verbessern den Datenschutz und erweitern so die Anwendungsfelder deutlich.

Der stärkere Wettbewerb und neue Innovationen sind ein weiterer Effekt der Demokratisierung. Kleine, spezialisierte Unternehmen haben die Chance, durch eigene, lokal nutzbare KI-Lösungen wettbewerbsfähiger zu werden und neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Zusammengefasst bedeutet diese Entwicklung hin zu kompakten KI-Modellen nicht nur technologischen Fortschritt, sondern auch eine gerechtere und inklusivere Nutzung von KI-Technologien.

Technologischer Fortschritt wird nicht durch Größe definiert

Die Parallelen zwischen der Entwicklung von Computerhardware und KI-Modellen zeigen eindrucksvoll, dass technologischer Fortschritt nicht allein durch Größe und Komplexität definiert wird. Wie bei Computern folgt die KI-Entwicklung dem Muster, dass echter Durchbruch durch Miniaturisierung, Optimierung und breite Zugänglichkeit entsteht.

Standen am Anfang riesige Großrechner, denen später kleinere, erschwingliche Personal Computer folgten, so kulminierte diese Entwicklung schließlich in der alltäglichen Nutzung moderner Smartphones. Analog dazu zeigt sich auch in der KI-Entwicklung ein klarer Trend weg von großen, komplexen Modellen hin zu kompakteren, spezialisierten und lokal einsetzbaren KI-Lösungen.

Diese Entwicklung wird in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen. KI wird zunehmend zu einer Alltagsressource, die jeder auf dem Smartphone, der Smartwatch oder in den IoT-Geräten stets griffbereit haben wird. So wie es heute selbstverständlich ist, dass man jederzeit und überall einen leistungsfähigen Computer in der Tasche trägt. Dabei ist besonders bemerkenswert, dass durch diese Miniaturisierung und Dezentralisierung von KI-Technologie auch deren gesellschaftliche Reichweite erheblich zunimmt. KI wird nicht nur technologisch zugänglicher, sondern auch sozial fairer verteilt und vielfältiger nutzbar.

targenio Assistenten-Plattform als Wegbereiter

Um mit diesen rasanten technologischen Entwicklungen Schritt zu halten, ermöglicht unsere targenio Assistenten-Plattform eine einfache Integration verschiedenster KI-Modelle. Die Plattform ist so gestaltet, dass sie flexibel jedes neue KI-Modell aufnehmen kann. Egal, welche innovativen Modelle zukünftig entwickelt werden, unsere Plattform bleibt stets aktuell und einsatzbereit.

Du willst mehr darüber erfahren, wie unsere Assistenten-Plattform auch deinen Service zukunftsfähig macht? Kontaktier uns, wir freuen uns auf das Gespräch!

Image: KI-generiert

Die neue KI-Ära im industriellen Service mit AI Agenten und Agentic Web

Künstliche Intelligenz entwickelt sich seit Jahrzehnten kontinuierlich weiter. Von den symbolischen KI-Experimenten der Anfangszeit über die Ära der generativen KI wie ChatGPT bis hin zur jüngsten Entwicklung: den AI Agenten.

Warum AI Agenten die logische nächste Stufe sind

AI Agenten heben Künstliche Intelligenz auf ein neues Level, weil sie eigenständig und zielgerichtet Aufgaben lösen können. Sie bestehen im Kern aus zwei entscheidenden Elementen:

  • Einem großen Sprachmodell, das Gedankenprozesse von Interpretation bis Argumentation simuliert.
  • Einer Toolbox mit spezifischen, abrufbaren Funktionen wie Datenbankzugriffen oder Berechnungsmodulen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Large Language Models (LLMs), die einmalig auf Anfragen antworten, durchlaufen AI Agenten iterative Prozesse. Sie geben strukturierte Anweisungen aus, interagieren mit Werkzeugen, sammeln Ergebnisse und verbessern ihre Antworten schrittweise, bis sie eine finale Lösung liefern können.

Vom Assistenten zum autonomen Kollegen

Mit wachsender Autonomie verändert sich die Rolle der Mitarbeitenden im industriellen Service schrittweise:

  1. Agenten unterstützen Menschen, während Menschen die Kontrolle behalten und Agenten für Informationsbeschaffung und erste Analysen nutzen.
  2. Menschen und Agenten kooperieren zusammen. Agenten schlagen Aktionen vor, Mitarbeitende prüfen und verfeinern diese Vorschläge.
  3. Agenten operieren, Menschen überwachen. Agenten übernehmen komplette Aufgaben, während Menschen Ergebnisse kontrollieren und nur in Grenzfällen eingreifen.

AI Agenten heben Künstliche Intelligenz auf ein neues Level, weil sie eigenständig und zielgerichtet Aufgaben lösen können.

Agentic Web – Infrastruktur für intelligente Interaktionen

Diese dynamische Zusammenarbeit von Agenten, Menschen und Unternehmenssystemen erfordert eine flexible und offene Infrastruktur, bekannt als das Agentic Web. Dieses Netzwerk erlaubt es verschiedenen Agenten nahtlos miteinander und mit den Fachleuten sowie den bestehenden Systemen eines Unternehmens zu kommunizieren.

Zukunftssicher durch offene Standards

Damit das Agentic Web effizient und skalierbar funktionieren kann, sind offene und universelle Standards entscheidend. Zwei dieser Standards gewinnen besonders an Bedeutung:

Model Context Protocol (MCP)

MCP dient als universelle Schnittstelle, vergleichbar mit http im Internetkontext. Die Agenten greifen auf die MCP Server, die s genannte  Funktionskataloge  sind, zu und können Daten flexibel abrufen. Es reduziert Komplexität, da spezialisierte Software direkt über natürliche Sprache gesteuert und die Integration von vielfältigen Datenquellen vereinfacht wird.

MCP kann für Agenten als das betrachtet werden, was GUIs für Menschen sind. Sie ermöglichen es dem Agenten, sich mit zugrunde liegenden Funktionen wie Systemintegrationen zu verbinden und mit ihnen zu arbeiten.

MCP kann für Agenten als das betrachtet werden, was GUIs für Menschen sind. Sie ermöglichen es dem Agenten, sich mit zugrunde liegenden Funktionen wie Systemintegrationen zu verbinden und mit ihnen zu arbeiten.

Agent2Agent (A2A)

A2A standardisiert den Ablauf, wie Agenten untereinander und mit Menschen kommunizieren, Aufgaben übergeben und den Fortschritt transparent verfolgen können. Durch klar definierte Schnittstellen schafft A2A eine Grundlage für effiziente Zusammenarbeit zwischen autonomen Systemen und menschlichen Mitarbeitenden.

Bild von Agent2Agent Protocol (A2A)

Warum Serviceorganisationen jetzt handeln sollten

Die Integration von AI Agenten und der Aufbau eines Agentic Webs sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits Realität. Allerdings muss dieser Übergang nicht abrupt erfolgen. Mit der Einführung einer Assistenten-Plattform geschieht der Wandel schrittweise und im Tempo, mit dem sich Unternehmen, Mitarbeitende und Kunden gleichermaßen wohlfühlen. Der berüchtigte „Big Bang“ wird vermieden. Serviceorganisationen, die sich frühzeitig mit diesen Technologien auseinandersetzen und offene Standards wie MCP und A2A implementieren, sichern sich langfristig Wettbewerbsvorteile. Sie legen damit den Grundstein für eine intelligente, agile und zukunftssichere Infrastruktur im industriellen Service.

Startseite » Technologie & Business

Was wir aus dem Projekt X2Log gelernt haben

In den vergangenen zweieinhalb Jahren durften wir Teil eines außergewöhnlichen Forschungskonsortiums sein, dem Projekt X2Log (Anything-to-Log). Es hatte das Ziel, neue Wege zu finden, strukturierte und unstrukturierte Daten, also etwa Videomaterial, Sensorwerte oder Textdokumente, in logische Prozesse zu übersetzen.

Klingt theoretisch? War es auch. Aber was dabei herauskam, war für uns bei targenio ein Katalysator für unsere Zukunftsstrategie.

Daten sind nur der Anfang

Aus X2Log ergibt sich vor allem eine zentrale Erkenntnis: Entscheidend ist nicht die Datenmenge, sondern wie gezielt und sinnvoll sie genutzt wird.

Wir bei targenio betreuen Kundenserviceprozesse in hochkomplexen industriellen Umgebungen. Dort entstehen täglich Unmengen an Daten aus CRM-Systemen, ERP-Lösungen, Maschinensteuerungen und mehr. Und trotzdem haben wir erst durch die Zusammenarbeit in diesem Gremium wirklich verstanden, was unsere Nutzenden mit unserer Software machen.

  • Prozesse sind nicht nur klickbare Abläufe. Unsere User springen zwischen Systemen, verwenden Kontextwissen, das nirgendwo dokumentiert ist, und lösen Probleme auf oft kreative Weise.
  • Wir müssen dieses implizite Wissen sichtbar machen. Dazu entwickeln wir jetzt Assistenzsysteme, die genau beobachten, wie Entscheidungen entstehen, und daraus schrittweise lernen.
  • Der Weg zur Automatisierung ist ein iterativer Prozess. Nicht alles muss sofort „vollautomatisiert“ sein. Stattdessen bauen wir auf lernende Systeme, die kontinuierlich besser werden.

Forschung, die Wirkung zeigt

Ein zentraler Bestandteil des Projekts war eine Reihe von begleitenden Forschungsarbeiten, die konzeptionell eng mit dem Fortschritt des Konsortialprojekts verknüpft waren. Diese lieferten fundierte Impulse für die Weiterentwicklung zentraler Komponenten. Die Komponenten dienten anschließend der Integration von strukturierten und unstrukturierten Datenquellen im Process Mining.

Zu Beginn stand eine umfassende Analyse des aktuellen „Stand der Technik“ rund um Process Mining mit Texten, Bildern und Videos im Fokus. Das Ergebnis bildete eine Art „Fahrplan für künftige Forschungsaktivitäten“.  So ist die Nutzung von Textdaten im Bereich Process Mining bereits gut erforscht, während es bei anderen Datenformen – insbesondere Videodaten – noch große Lücken gibt. Vor allem die Integration multimodaler Datensätze hat das Konsortium als dringendes Forschungsthema identifiziert.

Eine weitere Forschungsarbeit widmete sich genau dieser Lücke: der Nutzung von Videodaten als Input für Process Mining. In diesem Zusammenhang entwickelte das Fraunhofer FIT einen Ansatz, der mit Hilfe eines Algorithmus in der Lage ist, Prozessschritte allein anhand von Bewegungsmustern in Videos zu erkennen – ohne vorher zu wissen, wonach er sucht. Warum das relevant ist? In vielen industriellen Kontexten, wie Serviceeinsätzen oder Reparaturprozessen ist Video oft die einzige Datenquelle.

Aus der Zusammenarbeit heraus entstand seitens des Fraunhofer-FIT ebenfalls ein synthetischer, aber realitätsnaher Datensatz, der Videomaterial, Sensorwerte und strukturierte ERP-Daten vereint. Der Datensatz soll künftig anderen Forschungsgruppen zur Verfügung stehen, um daran neue Verfahren zu testen. Dadurch entstehen langfristig bessere Werkzeuge, die auch in der Praxis funktionieren.

Wie wir aus technologischer Architektur eine zukunftsfähige Lösung machen

Das Projekt hat uns auf Produktseite stark geprägt. Wir haben in den vergangenen Jahren unsere bestehende Plattform überdacht und setzen nun auf einen radikal neuen Technologieansatz.

Wir haben uns intensiv mit datengetriebener Optimierung, Protokollierung von Kontextdaten und weiterem beschäftigt. Damit wir all das in unserem Produkt vereinen, ist für uns die Überzeugung erwachsen, in Zukunft auf Basis der Low-Code-Plattform Mendix zu arbeiten.

Die Gründe dafür lagen auf der Hand:

  • Geschwindigkeit | Wir sind mit Mendix 5–7x schneller als mit herkömmlicher Java-Entwicklung.
  • Sicherheit & Skalierbarkeit | Als Teil des Siemens-Ökosystems erfüllt Mendix höchste Sicherheitsstandards.
  • Kundenzentrierung | Wir können Lösungen in Echtzeit verändern, auf neue Anforderungen reagieren und gleichzeitig eine moderne User Experience gewährleisten.

Unsere neue Plattform denkt nicht mehr in starren Abläufen, sondern in dynamischen Assistenzsystemen, die lernen, wie Menschen Probleme lösen. Dabei protokollieren wir alle relevanten Kontextinformationen.

Diese Informationen bilden die Grundlage für kontinuierliche Verbesserung, gesteuert von einem „Trainer“-Modul, das Verbesserungsvorschläge liefert oder direkt Anpassungen an der Automatisierung vornimmt.

X2Log war ein Forschungsprojekt mit echtem Impact

Für targenio war X2Log weit mehr als ein Forschungsprojekt. Es war ein Innovationslabor, das uns neue Perspektiven eröffnet und unser Produktverständnis grundlegend erweitert hat.

Wir gehen aus dem Projekt mit:

  • einem klareren Blick auf den Wert von Daten,
  • konkreten Lösungen für unsere Kunden,
  • und einer Technologieplattform, die bereit ist für die nächste Generation von digitalen Assistenten im industriellen Kundenservice.

 

Von LLM zu autonomen AI Agents: Die Zukunft im Kundenservice

Large Language Models (LLMs) beeindrucken durch ihre Fähigkeit, komplizierte Fragen zu beantworten, kreative Inhalte wie Gedichte oder Songs zu verfassen und menschlich klingende Texte zu generieren. Doch trotz all dieser beeindruckenden Leistungen bleibt ihr Handlungsspielraum oft auf die reine Kommunikation begrenzt.

Im Gegensatz zu reinen LLMs gehen AI Agents einen entscheidenden Schritt weiter: Sie verwenden die generierten Informationen nicht nur für die reine Kommunikation, sondern lösen vielschichtige Aufgaben selbstständig. Mithilfe der Ausgabe strukturierter Daten, beispielsweise in Form von JSON, oder durch Echtzeit-Code-Generierung können AI Agents externe Datenquellen wie APIs, Websites und Dateien lesen und schreiben. Darüber führen sie einzelne Aufgaben oder ganze Workflows eigenständig und autonom aus.

Das macht sie besonders interessant für komplexe Einsatzbereiche wie der Prozessautomatisierung im Kundenservice.

AI Agents dank No-Code-Plattform einfach nutzen

Für das Erstellen von AI Agents gibt es verschiedene Ansätze: Zum einen unterstützen Programmierbibliotheken wie Langchain oder Smolagents in Python beim Programmieren. Zum anderen existieren Low-Code- oder No-Code-Tools wie Flowise oder Parlant, die den Zugang zu den fortschrittlichen KI-Fähigkeiten vereinfachen.

Mit Plattformen wie der targenio Assistenten-Plattform lässt sich diese fortschrittliche Technologie auch ohne Programmierkenntnisse nutzen. Anwender können AI Agents mittels No-Code-Technologie erstellen und flexibel an ihre Bedürfnisse anpassen.

AI Agenten im Service – Praxisnahe Anwendungen

AI Agents verbessern Kundenservice-Prozesse deutlich und lösen Herausforderungen, die mit klassischen Methoden bisher mit viel Aufwand zu bewältigen waren:

  • Self-Service-Modul für Kunden
    Im Self-Service interagieren Agents eigenständig mit Kunden, erfassen und verstehen deren Anliegen und bieten gezielt passende Lösungen an. Sie lösen Standardprobleme autonom, ohne menschliche Intervention. Bei komplexen Problemen holen sich die Assistenten bei ihren menschlichen Äquivalenten und lernt gleichzeitig iterativ mit. Dadurch profitieren Kunden von schnellen und präzisen Antworten, während die KI Service-Mitarbeiter entlastet.
  • Automatisierung komplexer Sachbearbeiter-Aufgaben
    Viele Aufgaben im Kundenservice sind für eine klassische Workflow-Modellierung zu komplex. AI Agents hingegen können flexibel und situativ agieren. Sie interpretieren und reagieren dynamisch auf Anfragen, indem sie Datenquellen wie APIs, Websites oder interne Dateien selbständig analysieren. Sachbearbeiter gewinnen so Zeit für komplizierte Aufgaben und Entscheidungen.

Integration von AI Agents und die Rolle von Mendix

Die targenio Assistenten-Plattform bietet eine No-Code-Lösung, um AI Agents einfach und schnell zu erstellen und zu implementieren. Unterstützt durch beispielsweise der Low-Code-Plattform Mendix können neue Skills, vor allem spezielle und komplexe, unkompliziert entwickelt und unmittelbar in die Agents integriert werden. Diese  Skills ermöglichen eine schnelle Anbindung relevanter Schnittstellen.

targenio Assistentenplattform mit echtem Branchenfokus

Die targenio Assistentenplattform präsentiert in diesem Zusammenhang entscheidende Features:

  • Flexibilität bei Large Language Models
    Unternehmen können frei entscheiden, ob sie Cloud-basierte, hybride oder On-Premise-Lösungen nutzen möchten. Selbst anspruchsvolle Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit werden dabei erfüllt.
  • Branchenfokus
    Die Plattform ist von Anfang an auf spezifische Anforderungen bei Airlines, Automotive und im Maschinen- und Anlagenbau ausgerichtet. Dies reduziert den Implementierungsaufwand erheblich und steigert die Effektivität der AI Assistenten deutlich.

Transparenz dank gezieltem Process Mining

Obwohl die Assistenten dynamisch und eigenständig arbeiten, bleibt der Überblick stets gewahrt. Mit gezieltem Process Mining stellt unsere Software sicher, dass alle Abläufe transparent sind. Die Prozesse sind jederzeit nachvollziehbar, sodass Unternehmen sowohl Effizienz als auch Compliance sichern können.

AI Agents sind ein starker Hebel für effizienten Kundenservice

AI Agents sind weit mehr als reine Kommunikationshelfer. Sie handeln aktiv, verstehen komplexe Anfragen und optimieren Prozesse kontinuierlich. Die Integration solcher Assistenten in bestehende Servicestrukturen bietet Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil – gerade in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels und finanzieller Unsicherheiten.